Interview mit Andreas Gruber

06:30

Hey!

Ich hatte die Möglichkeit Andreas Gruber zu interviewen! Ich habe mir einige Fragen überlegt und ich finde seine Antworten einfach großartig!

Andreas Gruber
 

Sein neustes Buch: Todesreigen habe ich schon verschlungen und geliebt. Hier kommt ihr zur Rezension und jetzt hoffe ich, ihr erfreut euch auch so an dem Interview wie ich!



Hallo Herr Gruber,

zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass ich Ihre Bücher absolut präzise, spannend, nervenaufreibend verfasst sind. Die Charaktere sind so großartig ausgearbeitet und ich freue mich noch viel mehr von Ihnen zu lesen. Ich habe wirklich einige Fragen und ich hoffe Sie haben die Zeit diese alle zu beantworten.

Wow, ich bin ganz platt. Vielen Dank J

1. Wie lange arbeiten Sie an einer Geschichte und recherchieren die Hintergründe, etc.?

Etwa ein Jahr. Bevor ich mit dem Schreiben beginne gibt es eine ca. zweimonatige so genannte Exposé-Phase, in der ich die Handlungsstränge, die Romaninhalte, Kapitelaufteilung und Charaktere entwickle. Ein weiterer Monat für Recherchen, Gespräche mit Testlesern, die mich bei der Konstruktion der Handlung beraten. Erst danach beginnt die Phase des Schreibens. Wenn ich loslege, weiß ich also schon, wie die Geschichte enden wird. Ist auch gar nicht anders möglich, bei einem Thriller, dessen Handlungsstränge eng miteinander verzahnt sind, und dessen Handlung auf wenige Tage zusammengedampft ist.

2. Woher nehmen Sie die Inspiration für die Fälle sowie die Charaktere?

Zuerst muss die Handlung stehen, danach erfinde ich die passenden Figuren dazu, damit es wie aus einem Guss wirkt und nirgends hakt. Inspiration finde ich überall. Ich gehe mit offenen Augen durchs Leben, lese viel, bin oft im Kino, liebe Filme, Hörbücher, Hörspiele, Comics, Theaterstücke. Auch durch die Musik – ich liebe Heavy Metal – bekomme ich viel Inspiration. Diese Ideen muss ich dann sofort notieren, und Jahre später – oft sogar viele Jahre später – passen sie dann in eine Handlung oder in eine bestimmte Szene. Wichtig dabei ist mir immer, dass ich Ideen so lange umstricke und kombiniere, bis etwas Neues entsteht, um mich möglichst nicht selbst zu kopieren, denn nichts ist schlimmer, als etwas zu lesen, was schon mal da war.

3. Sind die Fälle von realen Fällen inspiriert oder entstehen diese rein fiktiv?

Rein fiktiv. Aber die Initialzündung kommt manchmal schon aus dem täglichen Leben. Wie beispielsweise der Fall des kleinen britischen Mädchens Maddie McCann, das aus seiner Ferienwohnung an der portugiesischen Algarve verschwundenen ist. Diesen Fall habe ich in Roman „Todesreigen“ eingebaut.
Es ist so, dass mein niederländischer Profiler Maarten S. Sneijder an der Akademie des deutschen Bundeskriminalamts in Wiesbaden mit seinen Studenten ungelöste Mordfälle durchnimmt. Es gibt in diesem Fall ein ziemlich eindeutiges Indiz dafür, ob die Eltern mit dem Tod ihrer Tochter zu tun haben oder nicht. Sneijder hat dieses Indiz entdeckt, und natürlich hat er den Fall mit seinen Studenten als Auftakt für „Todesreigen“ gelöst. Doch in der Endfassung des Romans war es mir zu gefährlich, den Namen Maddie McCann zu verwenden, da ihre Eltern dafür bekannt sind, recht schnell mit Klagen zu drohen, also habe ich den Namen im Roman geändert und den Schauplatz von der portugiesischen Algarve nach Deutschland verlegt und einen eigenen Fall „erfunden“.

4. Wie ist der Charakter Maarten S. Sneijder entstanden? Haben Sie eine gewisse Vorliebe zu den Niederlanden?

Als Student bin ich mit dem Rucksack nach Amsterdam und Den Haag getrampt, bevor es dann weiter nach Schweden und Norwegen ging. Ich mag den niederländischen Dialekt und den Humor.
Und als ich einen neuen Ermittler für „Todesfrist“ erfand, wollte ich eine richtige schräge Figur schaffen: Ein Profiler, der kifft, Bücher klaut, schwul ist, sich selbst akupunktiert, Topfpflanzen hasst, alles in 3 knappen Sätzen erzählt bekommen will, alle Menschen hasst und nur seinen wilden Basset liebt.
Während des Schreibens fand ich diesen Kotzbrocken und dieses Arschloch aber dann selbst so witzig, dass die Figur immer größer wurde, und somit wurde „Todesfrist“ der Auftakt der mittlerweile vierbändigen Todes-Reihe.

5. Die Romane spielen in vielen verschiedenen Städten (Wiesbaden, Köln, Leipzig und viele mehr). Haben Sie zu den Städten einen gewissen Bezug oder eine persönliche Geschichte?

Ja, ich war in all diesen Städten. Entweder auf Lesereisen, wo ich die Gelegenheit genutzt habe, mir die Städte näher anzusehen, oder ich bin extra dorthin gefahren, wie beispielsweise nach Wiesbaden, wo das BKA seinen Sitz hat. Aber das war gar nicht so einfach.
Nach einer langen Suche und vielen Kontakten ist es mir endlich gelungen, dass mich ein BKA-Kriminalhauptkommissar eine Woche lang nach Wiesbaden eingeladen hat und mir die fünf Standorte in Wiesbaden zeigte, in denen insgesamt 5000 Mitarbeiter beschäftigt sind, u.a. an der Akademie des BKA, die in meinen Romanen eine wichtige Rolle spielt. Ich habe mit vielen Ermittlern sprechen dürfen und habe viele Ideen gesammelt, die ich auch noch für spätere Romane verwenden werde. Unmittelbar nach dieser Reise ist dann „Todesurteil – Sneijders 2. Fall“ entstanden.

6. Wie viele Bücher rund um Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez werden noch entstehen?

Das kann ich noch nicht sagen. Hängt immer davon ab, wie erfolgreich sie sind, ob ich vom Verlag einen Vertrag für ein weiteres Buch bekomme, und ob ich eine passende Idee für einen neuen Sneijder-Fall habe. Allerdings ist es mir auch wichtig, zwischendurch immer wieder andere Bücher zu schreiben, wie beispielsweise die Rache-Reihe um den Ermittler Walter Pulaski und die Wiener Anwältin Evelyn Meyers fortzusetzen, oder die Peter-Hogart-Privatdetektiv-Bände.
Aber Sneijder wird nicht so rasch von der Bildfläche verschwinden, und an dieser Stelle möchte ich ihn gern zitieren, wie er in „Todesreigen“ sagt: „Sie dürfen an allem im Leben zweifeln, aber zweifeln Sie niemals an mir!“

7. Wie steht Ihre Familie zu den Romanen?

Meine Frau wird nach Lesungen vom Publikum oder bei Krimi-Festivals oft gefragt: „Wie ist das so, wenn man mit so einem kranken Thriller-Autor zusammenlebt?“
Tja, das Leben ist völlig normal, und abgesehen von einigen Lesereisen, auf denen mich meine Frau manchmal begleitet, führen wir ein unspektakuläres Leben.
Da meine Frau selbst Thriller liest, schockieren sie meine Bücher nicht wirklich. Außerdem muss sie das Manuskript sowieso vorher lesen, weil sie eine von insgesamt 15 Testlesern ist, mit denen ich schon seit vielen Jahren zusammenarbeite, und die mir beim Überarbeiten der Bücher helfen, bevor ich das Manuskript zum Verlag schicke.
Tja, wie steht sie dazu? Ihr gefallen meine Thriller jedenfalls besser als meine Horror- und Science-Fiction Kurzgeschichten, die es in einer auf sechs Bänden geplanten Gesamt-Ausgabe im Luzifer-Verlag gibt.

Vielen Dank, dass Sie meine Fragen beantworten und ich hoffe Sie schreiben noch viele Thriller. Ich bin bei Todesreigen mittlerweile schon auf Seite 200 und es gefällt mir unfassbar gut. Ich freue mich auf das Weiterlesen. Vor allem bin ich gespannt, wie alles zusammenhängt.

Vielen, vielen Dank. Und ich wünsche Ihnen noch viel Spaß bei der Mörderjagd und einige schlaflose Nächte bis zum großen Showdown.

Ich bedanke mich bei der lieben Irmi, die dies möglich gemacht hat und natürlich an Andreas Gruber für seine Zeit mir diese Antworten zu schreiben!


Liebe Grüße


Mella 

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4 Kommentare

  1. Ein tolles Interview, es hat mir gut gefallen, etwas über die Arbeitsweise und den Hintergrund zu erfahren. Ich habe schon oft Rezensionen zu seinen Büchern gelesen, mich aber noch gar nie an einen Thriller von ihm gewagt. Das muss ich jetzt definitiv ändern.
    Grüße
    Daniela

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    1. Danke!
      Jaaa, ich habe mich darüber auch so gefreut! Les sie! Sie sind so unglaublich gut!!!

      <3

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    2. Oh vielen Dank! Ich habe mir den Beitrag angeschaut! Super!!!

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